Blog16. September 2026
Schwammstadt München: Wasser und Hitze neu gedacht
Im Fokus: Der zweite thematische Cluster der Munich Climate Week 2026

Kaum ein Klimathema macht sich so unmittelbar im Alltag bemerkbar wie extreme Wetterereignisse in Bezug auf Wasser und Hitze, und genau hier zahlt sich durchdachte Stadtplanung am schnellsten aus. Ist die Wasserführung gut gelöst, wird Starkregen aufgefangen, gespeichert und langsam wieder an die Umwelt abgegeben, statt den Keller zu fluten. Ist eine Stadt auf Hitze vorbereitet, bleiben auch Rekordsommer erträglich, ohne dass ständig die Klimaanlage läuft. Genau um diese Chance geht es im zweiten Themencluster der Munich Climate Week, Wasser und Hitze: nicht länger nur auf Wasser und Hitze reagieren, sondern eine Stadt gestalten, die sich von vornherein an beides anpassen kann.
Klimaanpassung & Resilienz, Wasser sowie Natur & Biodiversität bilden diesen Cluster, und in der Praxis lassen sich die drei kaum trennen. Eine resiliente Stadt braucht Flächen, auf denen überschüssiges Wasser versickern kann, statt im Keller zu landen. Ein funktionierendes Wassersystem wiederum braucht gesunden Boden und Grün, um Regenwasser zu speichern und zu filtern. Und Natur kann diese Aufgabe nur übernehmen, wenn ihr die Stadtplanung dafür überhaupt Raum lässt. Erst im Zusammenspiel wird aus reiner Schadensbegrenzung bewusste Gestaltung.
Warum dieser Cluster wichtig ist—besonders in München
München will bis 2035 klimaneutral werden, eines der ehrgeizigsten Ziele unter Europas Großstädten. Emissionen zu senken ist die eine Aufgabe. Die Stadt gleichzeitig lebenswert und sicher zu halten, während Sommer heißer und Starkregen häufiger werden, ist eine andere, mindestens genauso dringende. Genau darum geht es in diesem Cluster:
Klimaanpassung & Resilienz macht aus einem abstrakten Risiko einen konkreten Plan. Hitzewellen, Starkregen und lange Trockenphasen sind längst Alltag geworden, dem sich Krankenhäuser, Verkehrsnetze und Wohngebäude immer wieder stellen müssen. Dazu gehören Hitzeaktionspläne, Frühwarnsysteme und Infrastruktur, die auch Belastungen standhält, für die sie ursprünglich nicht gebaut wurde.
Wasser ist gleichzeitig Risiko und Ressource. Zu viel davon, und Straßen stehen unter Wasser; zu wenig, und Trinkwasser wird knapp. Schwammstadt-Prinzipien, durchdachte Entwässerung und ein umsichtiger Umgang mit dem Grundwasser helfen dabei, beide Extreme gleichzeitig in den Griff zu bekommen.
Natur & Biodiversität erledigt einen erstaunlichen Teil dieser Arbeit auf natürliche Weise, wenn man ihr den Raum dafür gibt. Gründächer, Flussauen und intakte Böden nehmen Regenwasser auf, kühlen ein Viertel an heißen Tagen spürbar ab und bieten Arten ein Zuhause, die in einer komplett versiegelten Stadt keinen Platz mehr fänden. Das ist kein netter Nebeneffekt, das ist Klimaanpassung in ihrer wirksamsten Form.
Keines der drei Themen funktioniert für sich allein. Resiliente Infrastruktur hilft nur, wenn Wasser tatsächlich irgendwohin abfließen kann. Wassermanagement funktioniert nur mit gesundem Boden und intakter Vegetation. Und selbst die beste Vorbereitung nützt wenig, wenn bei der nächsten Hitzewelle kein Schatten und kein Grün mehr da ist, um sie abzufedern.
Münchens eigenes Ökosystem arbeitet bereits daran
Ein Blick auf die Partner der Munich Climate Week zeigt: Hier geht es nicht um ferne Zukunftsmusik, sondern um Arbeit, die bereits läuft.
Zum Thema Klimaanpassung & Resilienz: Die Munich Re Foundation, gegründet von einem der weltweit größten Rückversicherer, widmet sich seit Jahren gezielt dem Thema Klimarisiko und -anpassung. In Dialogforen und mit eigenen Förderpreisen bringt sie wissenschaftliche Erkenntnisse zu Klimarisiken mit praktischen Anpassungsprojekten zusammen, darunter ein Forum, das sich konkret mit Münchens eigenen Klimazielen beschäftigt hat.
Zum Thema Wasser: Das Aachener Clean-Tech-Startup Everwave hat autonome Systeme entwickelt, die Plastikmüll direkt aus Flüssen fischen, bevor er im Meer landet, ein anschauliches Beispiel dafür, wie aus einer politischen Absichtserklärung eine funktionierende Technologie wird.
Zum Thema Natur & Biodiversität: Die Nature Positive Initiative arbeitet weltweit daran, greifbar zu machen, was echter Fortschritt für die Natur eigentlich bedeutet. Ganz in der Nähe schützt der Deutsche Alpenverein (DAV), einer der größten Bergsportverbände der Welt, seit über 150 Jahren die Alpenlandschaften direkt vor den Toren Münchens, während Green City e.V. mitten in der Stadt handfeste Begrünungsprojekte umsetzt.
Worauf du im Programm achten solltest
Endlich ist es so weit: das Programm der Munich Climate Week ist online, und es steckt voller Sessions, die perfekt zu diesem Cluster passen! Zu Klimaanpassung & Resilienz zählen etwa „Fokus Infrastruktur: Von Klimarisiken zu Resilienz“ (19. Oktober, EY wavespace™) und „ESG Circle Hub EY x Swiss Re: Resilience over Reaction“ (20. Oktober). Beim Thema Wasser lohnt sich ein Blick auf „More Than a Wave – The Eisbach: Water, Ecology & Urban Surf Culture“ (21. Oktober), das Münchens berühmte Eisbach-Welle mit Fragen der Gewässerökologie verbindet, sowie den Water Roundtable von BCG Sustainability Day mit Quantis (23. Oktober). Zu Natur & Biodiversität gehören „Mehr Bäume für München – Hitzeschutz vor Ort erleben“ (22. Oktober) und „Waldumbau im Forstenrieder Park erleben“ (23. Oktober), das den Umbau von Monokultur zu klimaresilientem Mischwald direkt vor Ort zeigt. Das vollständige Programm mit allen Terminen, Orten und Anmeldelinks findest du auf der offiziellen Programmseite.
Die aktuelle Partnerliste findest du auf der Partnerseite der Munich Climate Week.
Wer die Munich Climate Week mitgestalten will, kann jederzeit ein eigenes Event einreichen - vielleicht ist deine Session ja die nächste auf dieser Liste.
Das große Ganze
Spannend an diesem Cluster ist nicht ein einzelnes Thema, sondern wie eng die drei zusammenhängen. Ein Hitzeaktionsplan, der die Entwässerung ausblendet, oder ein Hochwasserschutz ohne Rücksicht auf Grünflächen, löst immer nur die halbe Aufgabe. Die Munich Climate Week macht mit dem Cluster Wasser und Hitze im Grunde ein Argument stark: Anpassung, Wassermanagement und Naturschutz gehören zusammengedacht, statt in getrennte Zuständigkeiten aufgeteilt zu werden. Und München, zwischen Isar und Alpen gelegen, bringt sowohl die naturräumlichen Voraussetzungen als auch das nötige Know-how mit, um genau das vorzumachen.
Schon jetzt engagieren sich hier ganz unterschiedliche Partner, von einer Stiftung mit Versicherungshintergrund über ein Fluss-Startup bis zu einem der ältesten Bergsportverbände Europas, und das ist selbst schon ein gutes Zeichen. Es zeigt: Finanzwelt, Technologiebranche und Zivilgesellschaft beginnen, Klimaanpassung nicht als Randthema, sondern als eigene Infrastruktur zu verstehen. In der Summe entsteht so das Fundament einer Stadt, die Wasser und Hitze aktiv mitgestaltet, statt nur auf sie zu reagieren.