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Munich Climate Week
19.–25. Oktober 2026
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Blog9. Oktober 2026

Partner-Spotlight: Proxima Fusion über Stellaratoren und den langen Weg zur Fusionsenergie

Ein Interview mit Proxima Fusion, einem der Sponsoren der Munich Climate Week

MCW and Proxima Fusion logo on Munich skyline

Kurz vor der allerersten Ausgabe der Munich Climate Week setzen wir unsere Partner-Spotlight-Reihe mit den Organisationen fort, die sie möglich machen. Diesmal sprechen wir mit Proxima Fusion, dem Fusionsenergie-Unternehmen aus München, darüber, warum es sich für die Unterstützung der Munich Climate Week entschieden hat und was es braucht, um Fusionsenergie ins Netz zu bringen.

Für Proxima Fusion bedeutet das, Stellaratoren zu bauen, mit dem Ziel, zuverlässigen, CO₂-armen Strom zu liefern. Das Unternehmen formuliert es so:

„Wir glauben, dass ein künftiges sauberes Energiesystem eine Mischung aus sich ergänzenden Technologien braucht, wobei die Fusion rund um die Uhr zuverlässigen, CO₂-armen Strom beisteuert.“

Im Interview erklärt Proxima Fusion, warum München seine Heimat ist, weshalb die Fusion für die Ziele bis 2045 zu spät kommt, wie sie langfristig die erneuerbaren Energien ergänzen könnte und was noch bewiesen werden muss, bevor Fusionsenergie ins Netz gelangt.

Was hat Proxima Fusion dazu bewogen, als Sponsor bei der allerersten Munich Climate Week dabei zu sein?

München ist unser Zuhause. Hier kommen wissenschaftliche Forschung, ingenieurtechnisches Know-how und industrielle Expertise zusammen, die für den Aufbau einer neuen Energiebranche unerlässlich sind. Die Munich Climate Week bietet die Gelegenheit, diese Communities rund um eine ganz praktische Frage zu vernetzen: Wie entwickeln wir die Technologien, die wir brauchen, um die wachsende Nachfrage nach sauberer, zuverlässiger Energie zu decken?

Neben unserem Sponsoring öffnen wir am 22. unser Büro für einen Abend, an dem wir über die Technik hinter künftigen Energiesystemen sprechen. Wir möchten mit der Ingenieurs-Community teilen, woran wir arbeiten, von anderen Branchen lernen und Menschen kennenlernen, deren Erfahrung dazu beitragen kann, die Fusion ins Netz zu bringen.

Was baut Proxima Fusion, und welche Rolle sehen Sie dafür in einem künftigen Energiesystem?

Unsere Mission ist es, Stellaratoren zu bauen, die die Zukunft antreiben. Diese Fusionsmaschinen nutzen präzise geformte Magnetfelder, um extrem heißen Brennstoff an Ort und Stelle zu halten, sodass Atomkerne verschmelzen und Energie freisetzen können. Wir entwickeln Kraftwerke, die diese Energie im Dauerbetrieb in zuverlässigen, CO₂-armen Strom umwandeln sollen. Unsere Arbeit baut auf jahrzehntelanger Forschung am Max-Planck-Institut für Plasmaphysik auf und verbindet diese mit Fortschritten im computergestützten Design und bei supraleitenden Magneten.

Die Reduzierung von Emissionen ist ein wichtiger Teil dieses Anspruchs. Das Gleiche gilt für Energiesicherheit und die Deckung des wachsenden Strombedarfs. Indem wir Europas wissenschaftliche Expertise in Kraftwerke, Fertigungskapazitäten und Lieferketten überführen, wollen wir außerdem eine Branche aufbauen, die langfristigen Wohlstand sichert.

Wie würde die Realisierung kommerziell nutzbarer Fusionsenergie den Verlauf der Energiewende und unsere Fähigkeit verändern, den Folgen des Klimawandels zu begegnen?

Die Fusion wird zu spät kommen, um die Emissionsreduktionen zu liefern, die wir bis 2045 brauchen. Wir müssen den Einsatz heute verfügbarer Lösungen beschleunigen, vor allem von Solar- und Windenergie, zusammen mit Speichern und stärkeren Stromnetzen. Wir glauben, dass ein künftiges sauberes Energiesystem eine Mischung aus sich ergänzenden Technologien braucht, wobei die Fusion rund um die Uhr zuverlässigen, CO₂-armen Strom beisteuert.

Langfristig könnte kommerziell nutzbare Fusion dazu beitragen, ein CO₂-armes Energiesystem aufrechtzuerhalten, wenn der Strombedarf wächst und immer mehr Industrie, Verkehr und Heizen auf fossile Brennstoffe verzichten. Ihr Wert läge darin, große Strommengen unabhängig vom Wetter bereitzustellen, ergänzend zu erneuerbaren Energien. Diesen Beitrag zu leisten bedeutet nachzuweisen, dass Fusionskraftwerke zuverlässig arbeiten, kostenmäßig konkurrenzfähig sind und im großen Maßstab gebaut werden können. An genau dieser Aufgabe arbeiten wir heute.

Warum ist es wichtig, dass Spitzenwissenschaft, Forschung und Ingenieurwesen Teil des Kampfes gegen den Klimawandel sind?

Die Fusion zeigt, wie Fortschritte in der Forschung neue Möglichkeiten für Energiesysteme eröffnen können.

Jahrzehntelange Stellarator-Forschung hat zusammen mit Fortschritten bei Berechnungsmethoden und supraleitenden Magneten die Grundlagen geschaffen, auf denen wir heute aufbauen.

Um aus diesen Grundlagen ein Kraftwerk zu machen, braucht es Ingenieurskunst über viele Disziplinen hinweg. Komplexe Magnete müssen nach präzisen Vorgaben gebaut, Materialien unter anspruchsvollen Bedingungen getestet sowie Kühlung, Wartung und weitere Systeme in eine Maschine integriert werden, die zuverlässig arbeiten kann. Forschung und Ingenieurwesen müssen gemeinsam voranschreiten, wobei das, was wir beim Bauen und Testen lernen, das nächste Design verbessert. So wird wissenschaftlicher Fortschritt zu nutzbarer Energieinfrastruktur.

Was liegt noch vor Proxima Fusion auf diesem Weg, und wen würden Sie gerne als Partner an Ihrer Seite sehen, um den Anspruch zu erhöhen und die Umsetzung voranzutreiben?

Unser nächster großer Meilenstein ist der Abschluss und Test der Stellarator Model Coil, unseres Demonstrationsmagneten, geplant für 2027. Sie wird Schlüsseltechnologien und Fertigungsmethoden validieren, die wir für Alpha, unseren Demonstrations-Stellarator, benötigen. Alphas Ziel ist es, in den frühen 2030er-Jahren einen Nettoenergiegewinn durch Fusion zu zeigen: also durch Fusion mehr Energie zu erzeugen, als zur Aufheizung des Plasmas zugeführt wird. Die Fähigkeiten, die wir mit Alpha entwickeln und erproben, fließen in Stellaris ein, unser erstes kommerzielles Kraftwerk, mit dem Ziel, Ende der 2030er-Jahre erstmals Strom ins Netz einzuspeisen. Parallel zu diesen Maschinen bauen wir die Fertigungsprozesse und europäischen Lieferketten auf, die nötig sind, um sie zu realisieren. Wir freuen uns über Zusammenarbeit mit Forschungseinrichtungen, Herstellern, Zulieferern und Energieunternehmen. Wir möchten außerdem, dass Ingenieurinnen und Ingenieure, Technikerinnen und Techniker sowie Fachleute aus der Automobil-, Luft- und Raumfahrt-, Verteidigungs-, Energie- und anderen anspruchsvollen Branchen für sich einen Platz in der Fusion sehen.

Erfahrung im Bauen, Testen, Beschaffen und Industrialisieren komplexer Hardware ist für die anstehende Arbeit unmittelbar relevant.


Während sich die Munich Climate Week nähert, freuen wir uns, Proxima Fusion an unserer Seite zu haben. Wer mehr erfahren möchte: Am Donnerstag, 22. Oktober, öffnet Proxima Fusion die Türen für einen technischen Abend mit Vorträgen, Essen und offenen Gesprächen mit den Teams, die an der Fusionstechnik arbeiten. Das gesamte Programm vom 19. bis 25. Oktober gibt es unter munichclimateweek.com.